17.04.2018

"Gut oder schlecht? Wie innerer Zustand und Erfahrung Entscheidungen beeinflussen"

Am 17.04.2018 spricht Prof. Dr. Ilona Grunwald Kadow, Professur für Neuronale Kontrolle des Metabolismus, über den Zusammenhang von Entscheidungen und Vorlieben mit inneren Befindlichkeiten, Stoffwechselzuständen und Erfahrungswissen. Prof. Grunwald Kadow wird illustrieren, wie "Hirn und Bauch" in einem ausgeklügelten körperlichen Zusammenspiel Präferenzen, Motivation und generell Verhalten beeinflussen – und was sich dabei im Lauf des Lebens durchs Älterwerden oder neurodegenerative Erkrankungen verändern kann.

Prof. Ilona Grunwald Kadow, TUM-Professur für Neuronale Kontrolle des Metabolismus (Bild: Andreas Heddergott / TUM)

Prof. Dr. Ilona Grunwald Kadow, TUM-Professur für Neuronale Kontrolle des Metabolismus (Bild: Andreas Heddergott / TUM)

Warum schmeckt Essen besser, wenn wir hungrig sind? Wieso ändern sich Geruchsempfinden und Appetit während der Schwangerschaft und im Alter? Warum gefällt einem etwas am Montag – und am Dienstag nicht mehr? Solche Fragen motivieren die Forschung von Prof. Grunwald Kadow. Sie möchte wissen, wie das Gehirn Informationen aufnimmt, verarbeitet und damit unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere Erinnerungen kontrolliert. Denn hinter einer vermeintlich bewussten oder objektiven Entscheidung stehen in Wirklichkeit komplexe körperliche Vorgänge: Das Gehirn tauscht sich über Abermilliarden Nervenzellen und -verschaltungen blitzschnell mit den inneren Organen des Körpers aus, um alle relevanten Information von außen und innen abwägen zu können.

Diese Grundlagen der neuronalen Verarbeitung untersuchen Forschungsteams weltweit anhand der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Dies ist möglich, weil die grundlegenden körperlichen und neuronalen Vorgänge im Laufe der Evolution gleich geblieben sind. Auch Prof. Grunwald Kadows Forschung fußt auf der Fruchtfliege mit ihren erstaunlichen experimentellen Möglichkeiten. In ihrem Vortrag möchte Prof. Grunwald Kadow anhand neuer Forschungsergebnisse auf die obigen Alltagsfragen eingehen – und den Zusammenhang von Geruchswahrnehmung mit Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson diskutieren.

 


Vortragstermin:
Dienstag, 17.04.2018, 19.00 Uhr
im Lindenkeller Freising (Veitsmüllerweg 2)


 

Über die Referentin:
Prof. Dr. Ilona Grunwald Kadow studierte Biologie und Genetik an der Universität Göttingen und an der University of California San Diego, USA. Von 1999 bis 2003 promovierte sie an der Universität Heidelberg und am European Molecular Biology Laboratory. Nach einer Postdoktorandenphase an der University of California Los Angeles, USA, startete sie Ende 2008 ihre eigene Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München. Anfänglich durch das Emmy Noether-Gruppenprogramm der DFG gefördert, wurde sie später Max-Planck-Forschungsgruppenleiterin. 2017 wurde Prof. Grunwald Kadow als Professorin an die TUM berufen.

Prof. Grunwald Kadow wurde für ihre Arbeit mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft, dem Career Development Award der Human Frontiers Science Organization und einem EMBO Young Investigator Award ausgezeichnet. Seit 2015 wird ihre Forschung zusätzlich durch den angesehenen ERC Starting Grant der EU gefördert. Prof. Grunwald Kadow untersucht die neuronalen Netzwerke der chemosensorischen Verarbeitung und Entscheidungsfindung. Ziel ihrer Forschung ist es, Entscheidungen am Beispiel der Geruchs- und Geschmacksverarbeitung auf der Ebene neuronaler Vorgänge und Nervennetzwerke im Gehirn zu verstehen.